Kohlenhydrate haben in den letzten Jahren einen schlechten Ruf bekommen. Low-Carb, Keto und Co. suggerieren, dass Carbs der Feind seien. Für Sportler ist das Gegenteil der Fall: Kohlenhydrate sind dein wichtigster Treibstoff für intensive Leistung.
Warum Kohlenhydrate für Sportler unverzichtbar sind
Dein Körper speichert Kohlenhydrate als Glykogen in Muskeln und Leber. Dieses Glykogen ist die primäre Energiequelle bei hochintensiver Belastung – egal ob Krafttraining, Sprints oder intensive Mannschaftssportarten. Fett kann zwar auch als Energiequelle dienen, liefert aber zu langsam Energie für explosive Bewegungen.
Meta-Analysen auf Examine.com bestätigen: Muskelglykogen und Ausdauerleistung korrelieren direkt. Wer mit leeren Speichern trainiert, verliert messbar an Kraft und Ausdauer.
Wie viele Kohlenhydrate brauchst du?
Die Empfehlung hängt stark von deiner Sportart und Trainingsintensität ab:
• Leichtes Training (30–60 Min/Tag): 3–5g pro kg Körpergewicht
• Moderates Training (1–2h/Tag): 5–7g pro kg Körpergewicht
• Intensives Ausdauertraining (2–4h/Tag): 7–10g pro kg Körpergewicht
• Extrembelastung (>4h/Tag): 10–12g pro kg Körpergewicht
Für die meisten Kraftsportler und Fitness-Enthusiasten sind 5–7g pro kg Körpergewicht ein guter Richtwert. Bei einem 80kg schweren Sportler wären das 400–560g Kohlenhydrate pro Tag.
Die besten Kohlenhydratquellen
Komplexe Kohlenhydrate sollten die Basis bilden – sie liefern gleichmäßige Energie und halten länger satt:
• Haferflocken – der Klassiker für den Start in den Tag (auch stark als Proteinquelle!)
• Reis (weiß oder braun) – leicht verdaulich und vielseitig
• Kartoffeln und Süßkartoffeln – nährstoffreich und sättigend
• Vollkornbrot und Vollkornnudeln – hoher Ballaststoffgehalt
• Quinoa – zusätzlich eine gute pflanzliche Proteinquelle
Schnelle Kohlenhydrate haben ihren Platz direkt vor, während oder nach dem Training:
• Bananen – natürlicher, schneller Energielieferant
• Weißbrot mit Honig – schnell verfügbare Glukose
• Reiswaffeln – leicht und bekömmlich als Snack
Timing: Wann solltest du Kohlenhydrate essen?
Vor dem Training (2–3h vorher): Eine vollwertige Mahlzeit mit komplexen Kohlenhydraten, Protein und wenig Fett. Beispiel: Reis mit Hähnchenbrust und Gemüse.
Während des Trainings: Bei Einheiten unter 60 Minuten brauchst du in der Regel nichts. Bei längeren Einheiten (>60 Min) können schnelle Kohlenhydrate die Leistung erhalten – Sportgetränke, Bananen oder Gels.
Nach dem Training: Hier ist das Fenster für Glykogen-Regeneration besonders groß. Studien zeigen, dass eine Verzögerung des Kohlenhydratkonsums um mehr als 3 Stunden die Leistung am nächsten Tag beeinträchtigen kann – selbst bei gleicher Gesamtmenge über 24h.
Der Mythos: Machen Kohlenhydrate dick?
Kurze Antwort: Nein. Wie wir bereits in unserem Beitrag über Fett vs. Kalorien erklärt haben, ist die De Novo Lipogenese (Umwandlung von Kohlenhydraten in Körperfett) ein hochgradig ineffizienter Prozess. Dein Körper bevorzugt es, Kohlenhydrate als Glykogen zu speichern oder direkt als Energie zu verbrennen.
Was dich wirklich dick macht, ist ein dauerhaftes Kalorienplus – unabhängig von der Kohlenhydratmenge. Nutze unseren Kalorienrechner um deinen genauen Bedarf zu ermitteln.
Carb-Loading für Wettkämpfe
Für Ausdauer-Wettkämpfe (Marathons, Ironman etc.) ist Carb-Loading eine wissenschaftlich belegte Strategie: 2–3 Tage vor dem Wettkampf die Kohlenhydratzufuhr auf 8–12g/kg KG erhöhen. Eine Studie an Profifußballern zeigte dadurch größere Laufdistanzen und höhere Sprintgeschwindigkeiten.
Fazit
Kohlenhydrate sind kein Feind – sie sind dein wichtigster Verbündeter im Training. Passe deine Zufuhr an deine Trainingsintensität an, setze auf komplexe Quellen als Basis und nutze schnelle Carbs strategisch um dein Training. Wer seine Ernährung planen möchte, findet in unseren Rezepten viele kohlenhydratreiche Mahlzeiten.


